Eine Senfmühle in Schwerte – aus echtem Schrot und Senf
Man nehme: die besten Zutaten, zwei Granitsteine und viele Ideen
Von Sun-Mi Jung für R2-Gabelbieger

Foto: Schwerter Senfmühle
Da mächte man direkt probieren: Senf wird in Schwerte zur hohen Kunst erhoben.
Essig und Salz konservieren den Senf auf natürliche Art und Weise. Nach einem Tag geht es weiter. Zwei maschinenbetriebene Granitsteine, jeweils 450 Kilogramm schwer, zermahlen die Maische zu Senf, der golden in die Holzbottiche tropft. Zwei Mahlgänge sind dazu nötig, denn der Senf darf bei der Herstellung nie wärmer als 30 Grad Celsius werden. „Sonst verbrennen die ätherischen Öle und der Senf wird bitter“, erklärt Frank Peisert. Daher herrschen in den Produktionsräumen der Senfmühle auch konstante 10 bis 12 Grad Celsius Raumtemperatur.
Gleich der erste Verkaufstag war ein Renner. „Der Schwerter Senf ist wieder da“, hieß es. Und die Leute kamen in Strömen. Von 10 bis 13 Uhr sollte verkauft werden, um 12 Uhr waren alle 160 Liter-Eimer weg! Dabei gab es zu diesem Zeitpunkt in alter Adrian-Tradition weder alternative Größen, noch unterschiedliche Sorten. „Es gab nur den mittelscharfen Senf“, erzählt Frank Peisert.
16 neue Sorten im Programm, einschließlich Riesling- und Biersenf
Mittlerweile sind 16 neue Sorten dazugekommen. „Den Currysenf wollte ich haben“, so Frank Peisert. Ein Kunde, ein Winzer, schlug einen Rieslingsenf vor. Eine Brauerei wollte natürlich Biersenf anbieten. Und so bauten die Senfhersteller nach und nach Kundenwünsche und –vorschläge ein. Zu Weihnachten gibt es jedes Jahr einen Weihnachtssenf. Im Sommer einen Tomatensenf.
Um neue Sorten zu kreieren, wird übrigens ausgiebig experimentiert. Ein Thermomix, viele Ideen, Verkostungen und Kundentests spielen dabei eine große Rolle. „Man kann die Maische verändern und Flüssigkeiten, wie Bier, Wein oder Honig dazu geben. Oder aber auch den fertigen Senf mit festen Zutaten mischen, färben und aromatisieren, erzählt der Diplom-Ingenieur, der sich zum Senfexperten entwickelt hat.
Wer vor Ort kauft, darf gern auch einen Blick in die Produktion werfen
Mittlerweile versorgt die Schwerter Senfmühle Gastonomen und Einzelhändler im ganzen Umkreis, aber auch in Berlin oder Mannheim mit ihrem traditionellen und dennoch modernen Produkt. Endverbraucher sind aber auch in den aktuellen Geschäftsräumen, dem ehemaligen Meisterhaus der Rohrmeisterei, willkommen und können beim Kauf auch gleich einen Blick in die Produktion werfen. Ins Meisterhaus musste die Senfmühle nach einiger Zeit umziehen, ihre ursprünglichen Räume sind mittlerweile dem Haupteingang der Rohrmeisterei gewichen.
Heute ist die Senfproduktion schon lange kein Hobby mehr, sondern Haupterwerbsquelle für Frank Peisert und seinen Geschäftspartner Matthias Prenzel, den alten Schulfreund, der BWL studiert hat und irgendwann von Frank Peisert um Unterstützung gebeten wurde. Produktion, Absatz, Vertrieb und Unternehmertum haben die beiden mittlerweile verinnerlicht. Und auch die Adrian-Tradition halten die beiden auf ihrem Firmenlogo aufrecht. Nur die Ein-Liter-Eimer aus ihrer Kindheit, die gibt es nicht mehr.

Foto: Schwerter Senfmühle
Von der Pflanze ins Glas: Ein weiter Weg voll echter Handwerkskunst.
Frank Preisert – der Senf-Mann:
Frank Peisert wurde 1971 geboren. Als Kind kam er mit seinen Eltern nach Schwerte und lernte den Schwerter Senf der Familie Adrian kennen. Er ist verheiratet und hat drei Töchter im Alter von 9, 7 und 3 Jahren. Neben seiner Arbeit als „Senfmacher“ interessiert er sich für Fußball, seine Familie und Freunde, den Garten und für alte, historische Gegenstände.
Die Schwerter Senfmühle im Internet:
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