Das Korean Girl über das Leben zwischen den Welten

Kuchen mit Stäbchen und
„Teil der koreanischen Persönlichkeit“

Von Sun-Mi Jung für R2-Blogger

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Foto: © atmo1966

Die traditionelle Küche: Ein Stück Identität, das einen nie ganz loslässt.

Die Sache mit dem koreanischen Essen

Ein weiterer Teil meiner koreanischen Persönlichkeit ist die Sache mit dem Essen. Das habe ich ja schon ausführlich in der Folge „Dreimal täglich Reis und Kimtchi“ erklärt. Das koreanische Essen hat meine Geschmacksnerven konditioniert und ich werde bestimmte Vorlieben nie wieder loswerden. Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kindergartenkind drei Tage im Krankenhaus war, weil mir meine Polypen entfernt wurden. Kaum zu Hause angekommen, verlange ich nach gekochten, weißen Reisbällchen in gerösteten Algenblättern („Kim“). Das hatte mir offensichtlich gefehlt.

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Foto: © Jeju Si

Wer einen Migrationshintergrund hat, sieht die Welt immer aus zwei Perspektiven. Was auf diesem Teller liegt, sieht allerdings von beiden Warten aus betrachtet lecker aus.

Davon abgesehen fällt mir kaum noch etwas ein, was meinen "koreanischen Anteil“ ausmachen könnte. Vielleicht müssen das aber auch Außenstehende beurteilen, es ist immer so schwierig, sich selbst einzuschätzen. Und viele Dinge, die an mir „nicht-deutsch“ sind, bedeuten nicht automatisch, dass sie „koreanisch“ sind. Sondern einfach auf meinen Migrationshintergrund (was für ein schreckliches Wort!) zurückzuführen sind.

Man sieht die Welt sehr oft aus zwei Perspektiven. Einer deutschen und einer koreanischen. Dadurch lernt man, dass nicht immer alles so sein muss, wie man ursprünglich gedacht hat: Man kann durchaus Kuchen mit Stäbchen essen. Und man kann im China-Restaurant, wenn das Essen auf flachen (!) Tellern serviert wird, die Stäbchen getrost weglassen. Damit kommt man nämlich nicht weiter. Vor allem, wenn der Reis in Soße schwimmt. Andererseits finde ich es total amüsant, deutsche Menschen beim „Reis-in-Soße“ essen mit Stäbchen zu beobachten. Sie geben sich dabei immer so viel Mühe. Wahrscheinlich halten sie sich für besonders weltgewandt. Oder politisch korrekt. Oder beides.

"Meine Eltern sind ganz anders!"

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Foto: © Steve46814

Und irgendwie ist dann doch alles VOLLKOMMEN anders. Manchmal merkt man das aber erst nach Jahren...

Man stellt sehr früh fest, dass die eigenen Eltern VOLLKOMMEN anders sind als die der deutschen Freunde. Auch deutsche Freunde stellen dies irgendwann fest. Meist dauert dieser Prozess allerdings viele, viele Jahre. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich schon längst mit dem Anderssein meiner Eltern abgefunden und finde es mittlerweile sogar lustig.

Man macht die Erfahrungen eines Außenseiters. Was nicht immer schlecht sein muss. Denn wer nicht ständig im Mittelpunkt steht oder manchmal einfach nicht dazugehört, weil er sich von der breiten Masse zu stark unterscheidet, wird zum Beobachter. Manchmal sogar zum Journalisten, der das Beobachten zu seiner Profession gemacht hat und seine ganze berufliche Existenz und persönliche Identität auf dieser Eigenschaft aufbaut. Und da auch Journalisten am besten über Dinge schreiben können, die zu ihren Lebenswelten gehören, entsteht irgendwann eine Artikelserie namens „Korean Girl“ im Online-Magazin „R2inside“.

Und was ist für Sie das Besondere an Korea? Oder an Ihrer Identität?

Wir freuen uns über Ihre Meinung in der Kommentarsektion.

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Kommentare  

 
0 #2 Redaktion 2011-06-10 11:03
Hallo Andreas,

Erfahrungen eines Koreaners in deutscher Bundeswehrunifo rm - sehr interessant! Leider kann ich als Korean GIRL nichts dazu beitragen...

Trotzdem teile ich Deine Ansicht: Das Leben in und mit zwei Kulturen macht sehr viel Spaß und man hat einfach viel mehr von Leben. Sozusagen doppelt so viel. Außerdem "darf" man die Erfahrungen eines "Migranten" machen. Nicht immer schön, aber letztlich bringt uns doch jede Erfahrung weiter, oder?

Und falls Du mal Lust auf einen richtig guten Döner oder eine Pizza hast: Bei uns im Ruhrgebiet gibt es die besten. Liegt an den vielen Einwanderern :-) R2inside freut sich jedenfalls über den Besuch eines asiatischen Bayerns.

Viele Grüße aus Dortmund,
Sun-Mi
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0 #1 Andreas Kim 2011-06-09 08:14
Liebe Sun-Mi,
ich bin in einem kleinen Dorf suedlich von Muenchen aufgewachsen, wo mich jeder von klein auf gekannt hatte. Somit wurde ich nie als Asiate oder "Andersaussehnde r" behandelt und ich kannte dieses Gefuehl eigentlich gar nicht. Dies aenderte sich allerdings, als es zum Studium in eine groessere Stadt ging. So langsam wurde mir dann bewusst, dass ich ja gar nicht aussehe wie ein Deutscher, sondern Asiate bin.
Die Erlebnisse mit zum Teil lustigen, zum Teil weniger schoenen Erfahrungen blieben dabei natuerlich nicht aus. Besonders auch, als ich meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr absolvierte (wie sieht denn das aus, ein Asiate in deutscher Uniform...?;-)).

So kam es, dass ich in eine Art Identitaetskris e kam. Aeusserlich Koreaner, innerlich Deutscher...wer oder was bin ich eigentlich?

Gefunden habe ich diese Antwort darauf, als ich einige Zeit in Korea verbracht (mein erster richtiger Kontakt mit der Zweitheimat also) und die Sprache, sowie die Kultur und Denkweise der Koreaner kennengelernt hatte.

Nun weiss ich, ich bin Beides...zum Teil Koreaner und zum Teil Deutscher und das Beste ist, ich bin gluecklich in so einer aussergewoehnli chen Lage zu sein. Was heisst das? Nun, ich kann mich in beiden Kulturen bewegen, die so unterschiedlich sind und besitze damit ein viel groesseres Spektrum vom Leben.

Ich liebe meine Weisswuerste genauso wie Kimchi und Bulgogi...und ab und zu muss es halt mal auch ein leckerer Doener sein oder eine feine Holzofenpizza...!

Meine Identitaet ergibt sich ja auch irgendwie aus meinem Namen heraus...;-)

Liebe Gruesse,
Andreas Kim
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