Das Korean Girl über Schönheit auf Koreanisch

Immer aus dem Ei gepellt – oder, warum
Prof. Dr. Mang unbedingt nach Korea gehen sollte

Von Sun-Mi Jung für R2-Blogger

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Foto: © Georges Biard

Hauptsache, man sieht gut aus. So wie die chinesische Schönheit Gong Li, die auch in Korea als Schönheitsidol gilt

Dortmund. Falls Prof. Dr. Mang, einer der prominentesten Schönheitschirurgen Deutschlands, plant, sein ohnehin schon erfolgreiches Beauty-Unternehmen zu erweitern, würde ich ihm vorschlagen, Richtung Osten zu schauen. Und zwar Richtung Fernost. Genauer gesagt Richtung Südkorea. Denn kaum ein anderes Volk legt so viel Wert auf äußere Schönheit. Hauptsache, man sieht gut aus…

Mein Vater ist handwerklich sehr begabt. Alle Arbeiten, die man mit Sorgfalt, viel Geschick und vor allem mit Schweiß und Muskelkraft erledigen muss, findet er toll. Sie sollten mal den Garten meiner Eltern aus der Vogelperspektive sehen. So etwas geht ja heutzutage bei Google Maps. Dann würden sie eine lange, akkurat gezogene Mauer, die rund um das Grundstück führt, erkennen. Nur, dass es sich dabei nicht um eine Mauer aus Stein, sondern um unsere Hecke aus Koniferen handelt. Perfekt frisiert, lückenlos und selbstverständlich ohne braune Stellen. Warum ich Ihnen das erzähle, wo doch heute Schönheit unser Thema ist? Weil sie sich jetzt vorstellen können, welche Kleidung mein Vater angesichts seines liebsten Hobbys bevorzugt: Robust, praktisch, bequem und leicht zu reinigen. Die ehrliche Arbeitskleidung eines Menschen, der um fünf Uhr morgens nicht schläft, sondern am liebsten Unkraut in seinem Gemüsegarten zupft.

In der Kleidung eines "Chinakohl-Händlers"

In dieser Kleidung läuft mein Vater eigentlich am liebsten herum. Früher hat ihn meine Mutter deshalb oft „Chinakohl-Händler“ genannt. Und sie meinte das nicht freundlich… Ich finde diesen Stil eigentlich auch ganz gut. Man sollte gar nicht so viel über seine Kleidung nachdenken, sondern einfach das tragen, was zum Alltag, Lebensstil und vielleicht auch Einkommen eines Menschen passt. Beziehungsweise bin ich der Meinung, dass Menschen, die sehr viel über Äußerlichkeiten nachdenken, einfach nicht ausgelastet sind und über viel zu viel Zeit und entsprechende Langeweile verfügen. Und die soll ja bekanntlich schlecht für die Moral sein. Das findet mein Vater, der Mann mit dem authentischen Kleidungsstil, übrigens auch. Es sei denn, wir fahren nach Korea…

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Foto: © Georges Biard

Früher war der Popkünstler Michael Jackson einmal Afro-Amerikaner. In den Jahren vor seinem Tod verwandelte er sich langsam aber sicher in einen Weißen. Und jagte damit einem ähnlichen Schönheitsideal nach, wie die modernen Koreaner.

Niemand, wirklich niemand, der über zehn Stunden in einem Flugzeug von Frankfurt nach Seoul sitzt, kann sich dort im dunklen Wollanzug, Lederschuhen und Krawatte wohl fühlen. Mein Vater schon! Er, der passionierte Handwerker/Gärtner/Landschaftsarchitekt/Sportler, der sich mit einer Körperlänge von 1,80 Metern ganz klein machen muss, um mit der Holzklasse einigermaßen zurechtzukommen, ist heute hochoffiziell und äußerst unbequem gekleidet. Denn am Flughafen in Seoul wird er ja von seiner ganzen Familie und vor allem seinen Eltern erwartet. Und denen kann man nach so langer Zeit einfach nicht in einer Jeanshose entgegentreten.

Gepflegte Erscheinung = Respekt

Denn das wäre äußerst respektlos! Und Respekt ist einer der wichtigsten Werte in der koreanischen, konfuzianisch geprägten Gesellschaft. Zu dieser Art von Respekt gehört auch die äußere Erscheinung: ein sauberer Haarschnitt, gepflegte Haut, saubere Nägel, makellose Kleidung, eigentlich auch polierte Schuhe, aber das lässt sich im feinstaubigen Seoul schlecht durchhalten, bei Frauen ein perfektes Make-Up, das merkwürdigerweise auch heißen Sommertemperaturen standhält. Vor allem in „offiziellen“ Lebensbereichen gehört die einwandfreie Erscheinung dazu. „Offiziell“ sind übrigens: die Begegnungen mit den Eltern und besonders Schwiegereltern, jeder Auftritt in der Öffentlichkeit - dazu gehört auch das Einkaufen im Supermarkt, der Besuch der Schule oder Universität (gilt für Schüler UND Lehrer!), der Arbeitsplatz. Privat ist man eigentlich nur allein in den eigenen vier Wänden. Oder um fünf Uhr morgens im Gemüsegarten.

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