Das Korean Girl über deutsch-koreanisches Fusion-Food

Die große Sehnsucht nach Grün Tee-Donuts

Von Sun-Mi Jung für R2-Blogger

korean-girl-fusion-food-585-1

Foto: © FotoosVanRobin (Lizenz)

In der Fusionküche nähern sich westliche und asiatische Küche an. Da darf auch schon mal was in Richtung Steak mit auf dem Teller liegen.

Rhein-Ruhr. Eines haben alle asiatischen Länder aber dann doch gemeinsam. In allen kann man wirklich sehr gut essen. Besser als in vielen europäischen Ländern. Und noch eines haben viele asiatische Länder gemeinsam. Sie haben westliche und asiatische Essensgewohnheiten und Kochstile so gekonnt miteinander vermischt, dass man zu Recht von „Fusion Food“ oder „Fusion Cuisine“ sprechen kann. Zugegeben, manchmal treibt diese Fusionierung dann doch etwas sehr merkwürdige Blüten. Aber dazu später mehr.

Mein nächstes asiatisches Reiseziel ist Jakarta in Indonesien und Kuala Lumpur in Malaysia. Worauf ich mich da besonders freue? Auf den „Green Tea-Donut“ von J.CO. Eigentlich handelt es sich dabei um einen ganz „normalen“ Donut, wie man ihn hier auch bekommt. Aber dieser hat diese wunderbare asiatische „Grüner-Tee-Glasur“ obendrauf. Diese habe ich in Dortmund noch nie gesehen. Leider! Dabei ist diese Glasur ein echtes Erlebnis. Schmeckt wie „echter“ grüner Tee, allerdings mit einer sehr sahnigen und natürlich auch süßen Note. Himmlisch! Eben eine echte Fusion zwischen Ost und West…

In japanischen Restaurants in Dortmund gibt es zumindest „Grüner-Tee-Eiscreme“. Mindestens genauso gut. Nur leider fünfmal so teuer wie ein Donut in Jakarta… Dafür erübrigt sich die kostspielige Anreise. In jedem Starbucks in Seoul bekommt man übrigens einen „Green Tea Latte“ und dazu ein Stück „Green Tea Cheesecake“. Lecker! Was man so alles aus grünem Tee machen kann, OHNE ihn mit „Erdbeer Panna Cotta“ oder gar „Pina Colada“ zu „aromatisieren“.

Grüner-Tee-Eiscreme selbst gemacht

Video: © YouTube

Grün Tee-Eiscreme: Die perfekte Mischung von asiatischer Gelassenheit und "Bella Italia" zum Schlecken. Sozusagen kalte Fusion...

Aber eurasisches „Fusion Food“ habe ich natürlich schon als Kind in Deutschland kennengelernt, als es den Begriff und Grüner-Tee-Donuts noch gar nicht gab. Als Kleinkind war ich total verrückt nach weißem gekochtem Reis, eingeweicht in ein wenig rauchigem Gerstentee und – Schwarzwälder Schinken! Auf jeden Löffel Reis mit Tee kam ein kleines, dünnes Stück Schinken. Fand ich damals super. Rückblickend gehen der herbe Teegeschmack und der geräucherte Schinken auch eine gute Kombination ein.

Andere deutsch-koreanische Kinder wollten zu jeder traditionellen „koreanischen Reistafel“ unbedingt ein klein geschnittenes, paniertes Schweineschnitzel. Oder Fischstäbchen. Ich aß auch gern Reis mit Sojasauce und einem dicken Stück Rama-Margarine, das im warmen Reis nur so dahin schmolz. Einmal habe ich ein Kind gesehen, welches seinen weißen gekochten Reis nicht in Gerstentee, sondern in Fanta einweichte. Das fand ich dann aber eher ekelig… Aber nicht alle Fusion-Experimente müssen ja auf Anhieb gelingen. Und Kinder haben manchmal einfach einen sehr merkwürdigen Geschmack.

korean-girl-fusion-food-585x300

Foto: © Mickeycomix (Lizenz)

Es darf gemixt werden: Bei Fusion Food-Kreationen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Meine Mutter hat übrigens sehr früh angefangen, deutsche Fleischwurst in Scheiben zu schneiden und mit Zwiebelringen und koreanischen Gewürzen zu braten. Funktioniert auch! Und sieht sogar irgendwie asiatisch aus. Obwohl ein deutscher Gast in einem China-Restaurant wahrscheinlich entsetzt wäre, würde man ihm so etwas servieren. Viel zu Deutsch! Und so schrecklich fettig!

Mein kleiner Bruder bekam als Kleinkind abwechselnd Fencheltee in sein Fläschchen. Oder eben lauwarmen koreanischen Gerstentee mit ein wenig Traubenzucker. Was ich zuhause (in Deutschland) allerdings nie zum koreanischen Essen bekommen habe, waren klein geschnittene Äpfel und gekochte Kartoffelwürfel mit Mayonnaise. Die habe ich erst viel später in Korea kennengelernt. Passt eigentlich gar nicht zu asiatischer Küche, schmeckt aber trotzdem in der Kombination erstaunlich gut.

Überhaupt ist man in Korea mittlerweile sehr einfallsreich geworden, was die Integration westlicher Genüsse in den koreanischen Speiseplan betrifft. Was mit einfachen Wiener Würstchen in koreanischen Eintöpfen begonnen hat, ist zu immer raffinierteren Einfällen, wie dem „Bulgogi-Hamburger“, Frischkäse-Kimbab und eben „Green-Tea-Cheesecake“ gereift. Ich bin gespannt auf die kommenden Kreationen, die sich asiatische Fusion-Köche noch ausdenken werden. Der Phantasie sind schließlich keine Grenzen gesetzt…

 

Mehr vom "Korean Girl"

Kein Korean Girl mehr verpassen?

Einfach hier auf "gefällt mir" klicken und Fan werden: www.facebook.com/r2inside

Diesen Artikel in sozialen Netzwerken...

Kommentare  

 
0 #2 Korean Girl 2011-11-07 13:05
Hallo Andreas,

Kimtchi ist in der Tat eine wahre Wunderwaffe!! Auch wenn sich viele "Nicht-Koreaner" erst (langsam) daran gewöhnen müssen...

Dafür habe ich tatsächlich vor kurzem in einem Kochbuch für amerikanische (!) Küche und Esstraditionen entdeckt, dass die Hawaiianer Kimtchi lieben und daraus die tollsten Fusion-Gerichten zaubern!! Was für eine freudige Überraschung. Ich muss unbedingt nach Hawaii.

Auch Jamie Oliver hat in eines seiner zahlreichen Kochbücher ein Kimtchi-Rezept aufgenommen.

Was soll ich sagen, die koreanische Küche ist weltweit angekommen :-))

Viele Grüße nach Frankfurt,
Sun-Mi
Zitieren
 
 
-1 #1 Andreas Kim 2011-11-02 08:29
Hallo liebe Sun-Mi,

ich denke, wenn man als Koreaner in Deutschland lebt, muss man sich unweigerlich einige Ideen beim Kochen einfallen lassen, da es manchmal nicht alle koreanischen Zutaten gibt oder verfügbar sind.

Daraus entstehen dann manch wilde Essenskombinati onen oder um es positiv auszudrücken "phantasievolle Gerichte" ;-)!

Ich habe in Korea z.b. Bulgogi Pizza mal probiert, aber es ist nicht mein Ding muss ich sagen. Da bevorzuge ich den authentischen und einfachen Geschmack einer Pizza mit Tomaten und viel Mozarella Käse.

Mein Sohn braucht aber zu seinem Schnitzel immer Kimchi. Aber auch zu anderen Gerichten, die im Allgemeinen nicht besonders würzig sind oder nur mit einer Sosse geniessbar, ist Kimchi ein wahrer Geschmacksverst ärker und Appetitanreger (viel besser als so ein fader Blattsalat mit Öl und Essig).

Aber wie du bereits geschrieben hast, wir hatten schon immer die besseren Gerichte....!

Gruss,
Andreas
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

first
  
last
 
 
start
stop

Anzeige

R2-Wochenende
first
  
last
 
 
start
stop
Neueste Kommentare

Anzeige

Anzeige

Gabelbieger

Vegan Wonderland

vegan-wonderland-277

 

Dortmund. Vegan zu leben ist eine ganze Lebenseinstellung. Ihre Lebensmittel bekommen die Anhänger dieser Bewegung aus einem Dortmunder Supermarkt.

weiterlesen...

 


Stilikone

YOKKMOKK:
Auf in die T-Shirt-Saison

yokkmokk-277

Dortmund.  Aus dem Dortmunder Kreuzviertel heraus schicken sich die beiden Grafikdesignerinnen Judith Jöhren und Kendra Keller an, die Modewelt des R2-Gebiets zu revolutionieren. Wie? Mit minimalistischen Designs und frechen Ideen...

weiterlesen...

 


Mein Leben

Blumen, Sprache der Liebe

valentinstag-277

© 4028mdk09

Rhein-Ruhr. Nicht nur zum Valentinstag sind Blumen das schönste Geschenk. Und sie sprechen sogar eine geheime Sprache. Wie die geht, weiß die R2-Bettkante. Weiterlesen...

 


Special
first
  
last
 
 
start
stop
Horizont

Unter Straußen - in Remagen

strausse277x150

© Muscutt

Remagen. Eine Straußenfarm in der Nähe von Remagen - unglaublich aber wahr? Mitnichten! R2-Reporterin Lilian Muscutt hat sich dorthin auf den Weg gemacht um die großen Laufvögel, und die Besitzer der Farm, näher kennenzulernen.

weiterlesen...

 


Sportskanone

Ein Jahr Ferien!

brandenburg_277x150

Dortmund. Marianne und Johannes Struck wollen ein Jahr lang durch Europa reisen. Zu Fuß und ohne Hotel. Die R2-Sportskanone ist dabei. weiterlesen...

 


English Content

Erlebnisse eines "Korean Girl"

korean girl

Rhein-Ruhrgebiet/Seoul. Das Korean Girl hat koreanische Eltern, wurde aber in Deutschland geboren und ist hier aufgewachsen. Wie amüsant und spannend das Leben "zwischen den Kulturen" sein kann, berichtet es in der R2-Serie "Korean Girl".

weiterlesen...