The Chicks aus Bochum: Rockender Indie-Pop vom Feinsten
Jenseits aller Frauenband-Klischees
Von Peter Joerdell für R2-Popsmart
Video: YouTube
The Chicks live! 1000 mal.
Bochum. Schlägt man "chicks" oder "chick" im Lexikon nach, fühlt man sich sofort an die 90er und an Girlpower erinnert. Aber an die prollige Variante (was nicht heißen soll, dass die Spice Girls nicht auf ihre Art prollig waren - und immerhin hat eine von denen David Beckham geheiratet...). Jedenfalls sind Chicks, so das Bochumer Trio in der Definition des Bandnamens "die wohl meist geliebte als auch meist gehasste soziale Gruppierung der in freier Wildbahn vorkommenden Frau."
Chicks, das betont auch Sängerin Dorette Gonschorek im Gespräch mit R2inside "bestechen durch ihr frivoles, zu billigen, modischen Ausrutschern neigendes Äußeres." Der Name, das merkt man sofort wenn man die Band kennenlernt, trieft nur so vor Ironie. Denn echte Chicks versuchen bei Männern die niedersten Instinkte zu provozieren, wobei sie nach geglücktem Reizen empört jegliche Reduzierungen auf ihr Äußeres vehement zurueckweisen.

Foto: The Chicks
Eine Band mit Profil: The Chicks haben
noch viel vor.
Softig-rockiger Gitarren-Indie-Pop aus dem Pott
"Zudem werden "Chicks" in der Fachliteratur eher semioptimale kognitive Leistungsvoraussetzungen zugeschrieben", schmunzelt Gonschorek.
Bei der Frauenband The Chicks aus Bochum ist der Name jedoch gerade nicht Programm. Die Chicks stehen für softig-rockigen Gitarren-Indie-Pop mit deutschen und englischen Texten. Der rhythmische Bass und das wohldosierte Schlagzeug verbinden sich mit der mal leichten mal rockigen E-Gitarre, fein inszenierte aber nicht überstrapazierte elektronische Klänge wirbeln den Sound zusätzlich durcheinander. Und dazu wirbeln außerdem die Chicks über die Bühne. Dorette Gonschorek leiht der Band ihre charakterstarke Stimme - ohne den klaren und reinen Sound zu dominieren.

Foto: The Chicks
In der aktuellen Besetzung ist das Bochumer Trio seit 2004 aktiv.
"Das konnte nur Selbstüberschätzung sein - oder glückliche Fügung"
In der jetzigen Besetzung sind die Chicks seit 2004 unterwegs. Kennengelernt haben sie sich ganz klassisch - über eine Anzeige in einem regionalen Städtemagazin. Drummerin Rita und Bassistin Petra hatten da schon eine lange Odysee des Sängerinnen-Castings hinter sich gebracht. "Und ich hatte also eine Anzeige in diesem Stadtmagazin... die hat dann Petra auf dem Klo gelesen." Auf dem Klo?
"Ja, auf dem Klo. Da pries sich also in dieser Anzeige eine junge Frau als songwritende, live-erfahrene Gitarristin, Sängerin und Trompeterin an..." Rita und Petra waren sich einig – so viel Talent in einer Person vereinigt konnte entweder nur auf hoffnungslose Selbstüberschätzung hindeuten oder eine glückliche Fügung sein. "Wie sich herausstellte war es letzteres", lacht Gonschorek. Die Chicks in ihrer heutigen Form waren geboren, als man sich das erste Mal traf.

Foto: The Chicks
The Chicks live: Ein Chicks-Gig ist immer ein kraftvolles Erlebnis. Der Spaß macht vor dem Publikum nicht halt.
Bis heute steht der Spaß am Spielen und am Rocken im Vordergrund. "Wir haben immer Spaß an einem Auftritt, egal wieviel Leute im Publikum stehen", erzählt Dorette Gonschorek. "Wir transportieren live immer die volle Bandbreite an Gefühlen, die in unseren Songs enthalten ist, von Freude über Liebe bis hin zu Verlust und Zweifeln. Und im optimalen Fall springt dieser Funke eben auch über." Die Mission der Band ist damit klar abgesteckt: Den Spaß an der Musik bzw. am Musik machen auf die Zuhörer zu übertragen.
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