Maßkonfektion von Christian Leuschner aus Castrop-Rauxel

Der perfekte Gentleman

Von Sun-Mi Jung für R2-Stilikone

Foto: Jung

Die Qual der Wahl: Beim Maßanzug kann man sich eben alles aussuchen...

Castrop-Rauxel. Wieso darf ein Gentleman niemals sein Jackett in Gegenwart einer Dame ausziehen? Wie und warum wurde die Hose mit Umschlag erfunden? Und woran erkennt man einen wirklich eleganten Anzug? Die Garderobe für den Herrn von Welt ist eine Wissenschaft für sich. Manche erheben sie sogar zur Kunst. Zum Beruf hat sie hingegen Christian Leuschner gemacht. Der Castrop-Rauxeler vertritt seit 2003 die Firma Harper & Fields. Das englische Unternehmen wurde 1874 gegründet und stellt Maßkonfektion her. Wie ein hochwertiger Anzug entsteht, woran man ihn erkennt und was man als Mann in seiner Kleiderwahl alles falsch machen kann, erzählt er der R2-Stilikone.

Ein guter Anzug zeichnet sich vor allem durch ein Kriterium aus. Er passt. „Es gibt so viele Männer, die nicht ihre Konfektionsgröße kennen“, weiß Christian Leuschner. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, geht es beim Kauf im Geschäft weiter. Trotz Beratung und Anprobe wird häufig genug die falsche Größe gewählt. „Meist haben Hemd und Jacke zu viel Luft. Die Ärmel sind zu lang, so dass die Manschetten nicht hervorschauen, wie es eigentlich sein sollte. Der Kragen steht ab.“ Alles nicht besonders schick.

Dabei sollte ein eleganter Anzug wie eine zweite Haut sitzen. Bei den meisten Männern geht das allerdings nur über Maßschneiderei oder Maßkonfektion. Zu unterschiedlich sind die Figuren der deutschen Männer und auch die individuelle Haltung spielt eine wichtige Rolle. Sogar Christian Leuschner, als studierter Sportwissenschaftler von modellhafter Statur, hat sich mittlerweile vom Stangen-Anzug verabschiedet. Lediglich zwei finden sich noch in seinem Kleiderschrank. In dem einen hat er geheiratet, der zweite war mal sein Lieblingsanzug. Beide hat er zwar inzwischen vom Schneider optimieren lassen. Richtig überzeugt ist er aber nicht mehr von ihnen. Stattdessen kleiden ihn heute Maßanzüge. Und damit befindet er sich in guter Gesellschaft mit seinen Kunden. „Viele Kunden machen mit mir ihre erste Maßerfahrung. Und wollen plötzlich nichts anderes mehr.“

Der Stoff entscheidet über den Preis

Neben der Passform spielt natürlich ein guter Stoff eine wichtige Rolle. „Um alltagstauglich zu sein, darf der Stoff aber nicht zu fein sein“, rät Christian Leuschner. Je feiner, desto empfindlicher und letztlich ungeeigneter ist solch ein Anzug fürs Berufsleben. Stoffe können 30 Euro pro Meter kosten, aber auch 250 Euro und entscheiden damit über den Preis. Die besten Stoffe kommen übrigens aus Italien und England, den klassischen Herrenanzug-Ländern. Bei richtiger Pflege und konstanter Figur kann solch ein Anzug dann dafür lebenslang halten.

Ein Anzug macht seriös und wird zu geschäftlichen oder förmlichen Anlässen getragen. Und so sollte er auch aussehen. Mit den Farben schwarz, hellgrau, dunkelgrau, dunkelblau und braun ist man für alle Anlässe gerüstet. Alle anderen Farben - beige, hellblau oder gar weiß! - eignen sich nicht für einen ernsthaften Anzug. Ebenso unpassend sind abenteuerliche Kombinationen von sportlich und formell: „Ganz schlimm ist die Kombination Jeans und Krawatte. Sieht man ganz oft, geht aber natürlich nicht. Oder auch die Krawatte zum Button-down-Hemd. Das ist so, als würde man auf einen Porsche einen Dachgepäckträger montieren…“ Stilistisch nicht gelungen, weil nicht proportional, findet es Christian Leuschner auch, wenn ein schlanker Windsor-Knoten auf einen weit auseinander liegenden Haifischkragen trifft. „Da muss eher ein doppelter Windsor-Knoten her.“

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