Laurel & Hardy-Museum im Walder Kotten: Ein Stück Lachkultur

„We have a Mission“

Von Lilian Muscutt für R2-Bildungsbürger

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Foto: Joerdell

Was auch immer mit Laurel & Hardy zu tun hat: Das Ehepaar Günther hat es in Solingen-Wald zusammengetragen.

Solingen. Das Klavier muss rauf. Die Blicke von Stan und Olli wandern über die steile Treppe, über Hunderte von Stufen, die weit nach oben zum Haus eines Kunden führen. Macht nichts: Das Klavier muss rauf. Egal wie. Die Mission beginnt.

Lautes Lachen schallt durch den dunklen, kühlen Raum, während „Der Klaviertransport“ von 1932 mit Stan Laurel und Oliver Hardy auf der Leinwand flackert. Es ist das Lachen von Kindern, Eltern, Schülern und Senioren, die dicht zusammen gedrängt auf Holz- und Klappstühlen sitzen und die skurrilen Szenen verfolgen. Am Super-8-Projektor steht Wolfgang Günther (65) in einem Blaumann und mit einer Melone auf dem Kopf.

Er und Ehefrau Vera (65) sind Gründer des einzigen Laurel & Hardy Museums in Deutschland, das seit vier Jahren in vier kleinen Räumen eines denkmalgeschützten Backsteingebäudes aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist – einer ehemaligen Solinger Schleiferwerkstatt, „Kotten“ genannt.

Im Jahr über 1000 Besucher aus ganz Deutschland, den Benelux-Staaten und England

Über tausend Besucher aus ganz Deutschland, Belgien, Holland und England kommen im Jahr hierher, um sich die Schätze der Sammler anzuschauen – und vor allem: um die Originalfilme auf Leinwand zu sehen. Allein 80 Filmrollen mit Stan und Olli liegen in den Regalen bereit. Hinzu kommen Raritäten etwa mit Charly Chaplin, Charley Chase, Buster Keaton oder den Marx Brothers.

Stan und Olli sind hier jedoch nicht nur auf Zelluloid, sondern einfach überall: Am Eingang empfangen den Besucher zwei lebensgroße Laurel- und Hardy-Figuren, Filmplakate schmücken die Backsteinwände des kleinen Vorführraums, aus Porzellan oder Gips blicken die Komiker aus Glasvitrinen. Außerdem gibt es hier Stan und Olli als Schweizer Spieluhr, auf Weinflaschen, und jede Menge Szenen-Fotos in Foto-Alben. Über einer Tür hängt ein Schild: „Könige des Humors“.

Foto: Joerdell

Wolfgang Günther vor seinem Museum:
Natürlich stilecht mit Melone.

„Als ich acht Jahre alt war, habe ich mir die Laurel- und Hardy-Filme mit meinem Vater im Kino angeschaut“, erzählt Wolfgang Günther. Damals gab es mehr als 20 Kinos in Solingen, heute existiert nur das Cinemaxx. „Nach jedem Film habe ich in meinem Tagebuch akribisch Zeugnisnoten verteilt.“ Als in den 70er Jahren das ZDF die Filme ausstrahlte, sei er schockiert gewesen: „Die haben die Filme teilweise verhunzt, weil ganze Szenen einfach herausgeschnitten waren. Man sah, dass eine Sahnetorte flog – aber nicht, wie es dazu kam.“ Die Geschichten, die die Komiker mit intelligentem Witz erzählten, gingen verloren. Übrig blieb Klamauk. Dazu passte der plumpe Titel der deutschen Fassung: „Dick & Doof“. Allerdings bekamen die genialen Komiker diesen Namen bereits in den 30er Jahren.

Kurze Zeit später hatte Wolfgang jedoch eine „Offenbarung“: „Auf einem Flohmarkt in Amsterdam – meine Frau ist Holländerin – fand ich den Spielfilm ,Block-Heads’ von 1939. Alle Szenen waren zu sehen. Da flog nicht umsonst die Sahnetorte.“ Von da an begannen die beiden Filmfans alles zu sammeln, was an die großen Komiker erinnerte. Sie durchstöberten Second-Hand-Läden, fuhren in die USA, wo sich ein Club für den Erhalt der Laurel- und Hardy-Filme einsetzte. Club-Abteilungen gibt es heute auf allen Kontinenten. Ihre Mission: Ein Stück Filmgeschichte bewahren.

Der Bestand wuchs über die Jahrzehnte, so dass Wolfgang und Vera Günther in ihrem Haus ein kleines Laurel & Hardy Museum gründeten. Später folgte der Umzug in den „Walder Kotten“ (Stadtteil Wald), ebenfalls ein historischer Schatz, den Bürger kurz zuvor vor dem Abriss gerettet hatten. Seitdem gibt es drei Museen auf der Welt, die den beiden Komikern gewidmet sind: In Harlem, Georgia, der Geburtstadt von Oliver, im englischen Ulverston, wo Stan herkommt – und in Solingen. Regelmäßig werden die Experten aus der Klingenstadt in den Medien zitiert, zu Vorträgen und Filmvorführungen eingeladen. Schulklassen und Kindergärten erklärt Wolfgang Günther anhand von Projektoren und Filmrollen, was „Film“ eigentlich bedeutet. Dazu erzählt er einiges zur Geschichte des Films.

Eintritt und Filmvorführungen sind kostenlos, Spenden stets erwünscht

Das Museum zu erhalten, kostet die beiden Rentner Kraft. Weil es hier nicht ums Geldverdienen geht, sind Eintritt und Filmvorführungen kostenlos. Dafür wird um eine Spende gebeten. „Wenn alles gut läuft, können wir am Ende des Monats gerade mal unsere Ausgaben für Miete, Beheizung und Strom decken. Ist das nicht der Fall, was vorkommt, zahlen wir aus unserer eigenen Tasche“, sagt der Filme-Sammler, der keinerlei Zuschüsse erhält. Großes Problem: Weil die Heizanlage in dem denkmalgeschützten Gebäude nicht funktioniert und eine Reparatur für die beiden Solinger unbezahlbar ist, sind die Räume im Herbst und Winter kalt und feucht. Die aufgestellten Gasgebläse nützen wenig.

Doch die viele Mühe, die lohne sich. Wolfgang Günther ist sich sicher: „Stan und Olli werden nicht so schnell im Nebel der Vergangenheit verschwinden.“ Mit anderen Filmgrößen sei das geschehen. „Charly Chaplin ist noch ein bisschen da. Aber Harald Lloyd oder Buster Keaton kennen jüngere Menschen doch gar nicht mehr.“

Die Filmvorführung ist vorbei. Das Licht geht an, die Menschen strömen mit strahlenden Gesichtern aus dem Vorführraum. Vor der Tür warten schon die nächsten Besucher. Wolfgang Günther spannt eine neue Filmrolle ein. „Wenn ich hier hinten am Projektor stehe, und die vielen Leute lachen: Das ist einfach das Schönste“, sagt er lächelnd. Und ist seine Frau müde von der Arbeit, versucht er sie zu ermutigen. „Dann zitiere ich die Blues Brothers und sage: ,Denk’ daran: We have a Mission.’“

Das Laurel & Hardy Museum

Walder Kotten

Locher Strasse 17 in Solingen

Tel. (0212) 81 61 09

Öffnungszeiten jedes letzte Wochenende im Monat: Sa, 12 bis 17 Uhr, So, 11 bis 17 Uhr, und nach Absprache.

Filme für Vorführungen suchen sich die Besucher aus.

Eintritt frei an den offenen Wochenenden, Spenden erbeten.

Mehr Infos im Web:

www.laurel-hardy-museum.de

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