Koreanische Sprache, schwere Sprache

Wie sagt man „Würstchen“ auf Koreanisch?

Von Sun-Mi Jung für R2-Horizont

Foto: Jung

Auch in der Millionenstadt Seoul gibt es Zeit und Muße, die alte Kunst der Kalligraphie zu pflegen. Dass der Künstler auch das koreanische Wort für Würstchen schreibt, ist aber eher unwahrscheinlich.

Dortmund. Wie lautet eigentlich das koreanische Wort für „Würstchen“? Ganz einfach: Sso-Se-Gi. Und wie nennt man in Korea „Pfannkuchen“? Auch ganz einfach: Pen-Kei-Ke. Und was sagt man zu „Ananas“? Pein-Eppel. Bis zur fünften Klasse habe ich diese „koreanischen“ Wörter tatsächlich für koreanisch gehalten. Bis ich die ersten Englischstunden in der Schule hatte und die Wörter Sausage, Pancake und Pineapple lernte. Plötzlich ging mir ein Licht auf. Und an diesem Tag entdeckte ich nicht nur den faszinierenden Einfluss von Kultur auf Sprache. Sondern begriff auch schlagartig das Wort Globalisierung.

Foto: Jung

Die koreanische Schrift heißt "Hangul".

Meine Muttersprache ist deutsch. Auch wenn die meisten Menschen, denen ich zum ersten Mal begegne, das nicht glauben (können). Das hängt aber nur mit meinem asiatischen Aussehen zusammen. Aber ich kann beweisen, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Erstens gibt es keine andere Sprache, die ich akzentfrei spreche. Zweitens spreche ich Fremdsprachen immer mit deutschem Akzent. Drittens kann ich nur in Deutsch alle meine Gedanken, Gefühle und Träume unfallfrei ausdrücken. Und viertens sehe ich die Welt durchweg durch die deutsche Sprache: Genieße mit Freunden und Familie „Gemütlichkeit“, erfahre im Urlaub „Wanderlust“, habe leider nicht immer das richtige „Fingerspitzengefühl“, empfinde heimlich „Schadenfreude“, erinnere mich an die Zeit im „Kindergarten“ oder bestaune ein „Wunderkind“.

Jede Sprache hat ihre eigene Phonetik

Die koreanische Sprache ist aber trotzdem etwas ganz Besonderes für mich. Schließlich ist es die Muttersprache meiner Eltern. Und daher begleitet und beeinflusst mich diese Sprache mit all‘ ihren Eigenheiten schon mein ganzes Leben lang. So hielt ich nicht nur englische Wörter, wie Pineapple und Sausage lange für koreanisch. Sondern lernte schon ganz früh, dass Sprachen sich sehr stark in ihrer Phonetik unterscheiden können.

Zum Beispiel gibt es in der koreanischen Aussprache keine Konsonantenreihen. Auf einen Konsonanten folgt immer ein Vokal. Ein Wort endet auch immer auf einem Vokal. Das ist sehr spannend, wenn Koreaner deutsche, konsonantenlastige Wörter, wie „Gebrauchsanleitung“ aussprechen müssen. Das klingt dann ungefähr so: Ge-be-ra-u-che-se-an-la-i-tung-e. Und die deutsche Sprache ist voller Konsonantenreihen: Agentur für Arbeit, Fußballstadion, Gelddruckmaschine, Cremetöpfchen, Ausschreibung, Berechtigungsschein, Waschmaschinenbenutzungsanweisung…

Auch gibt es im Koreanischen keinen Laut „F“. Stattdessen behelfen sich die Koreaner mit einem „P“. Also sagen meine Eltern „P“ernseher, „P“enster, „P“isch, „P“orelle, „P“amilie, „P“annkuchen, „P“anne, „P“irma. Die Koreaner in Korea haben natürlich keine Wörter, in denen ein „F“ vorkommt. Und bei den im Koreanischen gebräuchlichen Fremdwörter machen sie es einfach wie meine Eltern: „P“ashion, Wi„p“e, „P“antasy“, „P“ilm…

Die koreanische Grammatik unterscheidet sich außerdem stark von der deutschen. Artikel gibt es zum Beispiel auch nicht. Meine Eltern wissen nach fast 40 Jahren in Deutschland selbstverständlich, dass es drei grammatikalische Geschlechter im Deutschen gibt: Der, die, das. Nur mit der Zuordnung klappt es nicht immer, was ja kein Wunder ist, wenn es DIE Frau, DER Junge, aber DAS Mädchen heißt. Meine Mutter hat da eine ganz wunderbare und individuelle Lösung gefunden. Sie benutzt nur noch einen einzigen Artikel und zwar den weiblichen: Die Frau, die Maus, die Maschine, die Auto, die Badezimmer, die Freundin, die André, die Schreibtisch, die Kühlschrank…

Eine weitere Besonderheit ist die Existenz von fünf (!) verschiedenen Sprechstufen, die die Beziehung der Sprechenden zueinander definieren. Im Deutschen gibt es ja nur zwei: Du und Sie. Eigentlich ist die deutsche Sprache an dieser Stelle viel einfacher als die koreanische, aber das täuscht. Denn meine Eltern haben bis heute Schwierigkeiten, die Feinheiten des koreanischen Beziehungsausdrucks ins Deutsche zu übertragen.

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Kommentare  

 
0 #6 Redaktion 2011-04-04 10:26
Hallo Herzensmensch,
danke für das Lob. Schön, dass Dir der Artikel so gut gefallen hat.

Ein "Liebe Grüße" gibt es in diesem Sinne im Koreanischen nicht. Nach eingehender Beratung mit meiner Mutter haben wir uns darauf geeinigt, das Ganze mit einem "Anyonhi geseyo" sinngemäß zu übersetzen.

Aber vielleicht weiß ja einer der koreanischsprac higen Leser des "Korean Girl" eine bessere Lösung?

Viele Grüße aus Dortmund,
Sun-MI Jung
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+1 #5 Herzensmensch 2011-03-31 13:07
Sehr schöner Artikel, vielen Dank!

Ich finde es prima, mal einen Einblick in eine der Sprachen und die sprachlichen Schwierigkeiten meiner "migrationshinte rgründigen" Mitmenschen zu bekommen! Besonders nett finde ich es, daß Du die koreanischen Anredeformen erwähnst, die faszinieren mich - darüber werde ich mich jetzt mal noch etwas genauer informieren!

Wie sagt man auf koreanisch: "Liebe Grüße!" ?!

:o)
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+2 #4 Redaktion 2011-03-17 12:10
Hallo Andrea(s),
Danke für das nette Lob!
zitiere Andreas Kim:
Wieder mal ein lustiger, sowie lehrreicher Artikel von Dir!

Ich habe mir beim Namen meines Sohnes Gedanken machen muessen...welchen deutschen Namen gibt man einem Kind, damit dieser in Korea nicht "falsch" ausgesprochen wird? Also Florian und Felix gingen schon mal gar nicht (wie klingt den Plorian bzw. Pelix...?!) , also haben wir uns fuer Dominic entschieden ;-).
Bei meinem Namen wird ja leider auch in der koreanischen Aussprache das "s" am Ende weggelassen, sodass ich immer Andrea gerufen werde...grrr! Bin kein Maedchen...und komm auch nicht aus Italien!

Ich freue mich, dass meine deutsch-koreanischen Erfahrungen mit denen unserer Leser übereinstimmen.
zitiere Andreas Kim:
Viele Woerter und v.a. moderne Begriffe wurden frueher einfach aus dem amerikanischen oder japanischen uebernommen, wie z.b. handle (fuer Lenkrad), klaxon (Autohupe), accel (abgekuerzt fuer Gaspedal), elebeita / Elevator (Aufzug), escalator (Rolltreppe), baggu / back jap. ausgesprochen fuer Rueckwaertsfahr en, bans / pants jap. ausgesprochen fuer Unterhose....etc....

Vielen Dank auch für die weiteren (westlichen)Fre mdwörter, die in Korea im Gebrauch sind. Deine Kommentare sind übrigens eine ganz wunderbare Ergänzung meiner "Korean Girl"-Artikel.

Viele Grüße aus Dortmund,
Sun-Mi
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+2 #3 Andreas Kim 2011-03-17 10:55
Wieder mal ein lustiger, sowie lehrreicher Artikel von Dir!

Ich habe mir beim Namen meines Sohnes Gedanken machen muessen...welchen deutschen Namen gibt man einem Kind, damit dieser in Korea nicht "falsch" ausgesprochen wird? Also Florian und Felix gingen schon mal gar nicht (wie klingt den Plorian bzw. Pelix...?!) , also haben wir uns fuer Dominic entschieden ;-).
Bei meinem Namen wird ja leider auch in der koreanischen Aussprache das "s" am Ende weggelassen, sodass ich immer Andrea gerufen werde...grrr! Bin kein Maedchen...und komm auch nicht aus Italien!

Viele Woerter und v.a. moderne Begriffe wurden frueher einfach aus dem amerikanischen oder japanischen uebernommen, wie z.b. handle (fuer Lenkrad), klaxon (Autohupe), accel (abgekuerzt fuer Gaspedal), elebeita / Elevator (Aufzug), escalator (Rolltreppe), baggu / back jap. ausgesprochen fuer Rueckwaertsfahr en, bans / pants jap. ausgesprochen fuer Unterhose....etc....

So, das war es mal wieder von mir!
LG und bis dann,
Andreas
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+2 #2 Redaktion 2011-03-15 14:38
zitiere Ralph Scheurer-Lee:
Sehr netter Artikel.. Doch bin ich mir nicht sicher ob viele der genannten Wörter nicht eher aus dem amerikanischen (Besatzer- Beschützerland) kommen und selbst in Korea wo wenige Dogils zu finden sind in Gebrauch sind.


Lieber Ralph,
Du hast vollkommen Recht!

Es handelt sich um Wörter, die in Korea in Gebrauch sind. Vielleicht habe ich mich da nicht so klar ausgedrück.

Aber für einen regen Austausch mit unseren Lesern haben wir ja die Kommentarfunkti on.

Vielen Dank fürs Lesen, Loben und vor allem nette Kommentieren.
Sun-Mi Jung
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+2 #1 Ralph Scheurer-Lee 2011-03-15 14:21
Sehr netter Artikel.. Doch bin ich mir nicht sicher ob viele der genannten Wörter nicht eher aus dem amerikanischen (Besatzer- Beschützerland) kommen und selbst in Korea wo wenige Dogils zu finden sind in Gebrauch sind.
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