R2-Krawattenknigge: Lebenshilfe und Beratung für Schlipsträger in 12 Punkten

Die Rückkehr des Kultur-Stricks

Von Peter Joerdell für R2-Stilikone

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Foto: © Andreas F. / photocase.com

Das sieht von der Farbwahl her schon einmal gut aus. Jetzt muss nur noch der Knoten gelingen.

Rhein-Ruhr. Manche Dinge tauchen immer wieder auf, wie falsche Fuffziger. Und Totgesagte leben länger. So ergeht es jüngst auch der Krawatte, die nach zwei oder drei Jahrzehnten, in denen sie lediglich an den Hälsen von Bankern, Politikern, Professoren, leitenden Angestellten und uniformierten Polizeibeamten zu sehen war, in den letzten Jahren langsam aber sicher wieder einen Hauch von Coolness erworben hat. Fast alles scheint möglich. Wer trotzdem in einem Bereich arbeitet, wo er bei Krawatten "alles richtig" machen muss, kann sich auf den Krawatten-Knigge von R2-Stilikone berufen... Die R2-Stilikone hat die wichtigsten Tipps für den unfallfreien Umgang mit dem Thema Krawatte gesammelt.

1. Es geht auch ohne. Aber nie mit Kurzarm und Button-Down.

Die Krawatte zum Anzug ist kein "must have". Besser ohne, als mit offenem Kragen und offener Krawatte. Abseits von Rockkonzerten und Tanzflächen kann das unter Umständen nämlich nicht lässig, sondern eher nachlässig wirken, solange Sie nicht freischaffender Künstler sind oder in der Werbung arbeiten. Genauso „No-Go“: Kurzarm-Hemden mit Krawatte sowie die Kombination Binder und Button-Down-Kragen.

2. Sag' mir, wie groß der Knoten ist...

Kleine Krawattenknoten sind out, auch ganz große Krawattenknoten wie der Kreuzknoten müssen es nicht sein (es sei denn man befindet sich in Mailand auf einer Modemesse). Immer richtig liegt man eigentlich mit dem als Four-in-Hand bezeichneten Knoten. Durch den kleiner gebundenen Knoten verlängert sich zudem die Krawatte – ein guter Tipp besonders für sehr große Männer!

3. Windsor-Knoten: Der Klassiker ohne den es nicht geht.

Er eignet sich gut für Hemden mit weit auseinanderliegendem Kragen, wie Haifischkrägen. Man braucht etwas Übung, um ihn problemfrei zu binden, aber es lohnt sich. Bei festlichen Anlässen ist man mit ihm stets auf der sicheren Seite.

4. Nicht zu viele Muster: Augenkrebs vermeiden.

Karierte Hemden kombiniert mit gemusterten Krawatten: Dieser Trend wurde in den letzten zehn Jahren regelrecht Mainstream. Mitunter stoßen dann allerdings bis zu sechs Farben auf der Männerbrust aufeinander. Hier gilt: Lieber reduzieren, als falsch kombinieren.

5. Je kleiner das Muster, desto förmlicher die Krawatte.

Große Paisleys oder üppige Blumen passen zum dunklen Bürozwirn eigentlich nicht. Wie wirre geometrische Muster oder filigrane Motive nötigen sie dem Gegenüber zuviel Aufmerksamkeit ab. Im schlimmsten Fall wirken sie irritierend. Streifen hingegen sind heute kein Problem mehr, auch wenn sie bis Mitte der Neunziger einen konservativen Touch hatten. Allerdings sollte man in einem konservativen Umfeld gedeckten Streifenkrawatten den Vorzug geben. Aber Vorsicht: Besitzen Sie gestreifte Binder aus den USA, sind sie im ganz extremen Business-Umfeld in Europa damit fehl am Platze. Der Grund: die Richtung der Streifen. In Europa verlaufen die diagonalen Streifen aufsteigend – was Dynamik, Erfolg und steigende Aktien symbolisiert. Jenseits des großen Teichs ist die Richtung umgekehrt, die Streifen fallen ab. Weshalb die Briten gern spotten, in Amerika sei man unfähig gewesen, den Stoff richtig herum zuzuschneiden...

6. Schmale Krawatten: immer noch Trend.

Aber nie ohne Sakko! Dieser Look erfordert etwas Vorsicht. Erstens stehen extrem schmale Krawatten eher großen Männern, zweitens kann eine schmale Krawatte ohne Jackett optisch immer einige Kilos "auftragen". Wenn sie mit dem Anzug harmoniert, kann sie allerdings eine vertikale Linie aufbauen, die den Träger größer erscheinen lässt. Auch eine schmale Krawatte zum Zweireiher ist keine gute Idee - der Binder wirkt dann schnell hinter den Revers "verloren".

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Kommentare  

 
+2 #2 Oleysn Gedeysn 2012-08-06 16:49
Gehe mit allen Punkten mit.
Entschuldigen Sie, Herr Gebauer, aber eine Krawatte und Kurzarmhemd in Kombination, ist absolut nicht business-like. Sorry, das geht gar nicht. Ich trage selbst bei 40°C ein Langarmhemd. Zur Not, wenn es gar nicht anders geht, kremple ich lässig die Ärmel etwas hoch. Aber Kurzarm? Tuen Sie sich einen Gefallen und verzichten Sie darauf.
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0 #1 Heiko Gebauer 2012-07-06 10:46
Bei vielen Punkten gehe ich ja mit, aber, die Krawatte immer dunkler als das Hemd? Was ist mit dem gleichen Farbton, finde ich persönlich super. Krawatte am Kurzarmhemd ein no go? Wäre toll, aber erklärt das mal meinem Chef... und im Sommer mit Langarm muss ja nun auch nicht sein.
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